
In der Septemberausgabe der Zeitschrift journalist/journalistin wurde dieses Thema ausführlich diskutiert. Hier ein paar Stichpunkte.
Der Begriff „Nachhaltigkeit“ hat sich in den letzten Jahren stark abgenutzt und bei vielen Menschen sogar ins Negative gekehrt, sie verbinden damit nichts Positives oder Wichtiges, sondern sind genervt, sehen nur Probleme.
Drei von zehn Befragten denken beim Stichwort „Nachhaltigkeit zuerst an Kosten, Belastungen, Zumutungen, Wärmepumpen.
Die anderen Aspekte wie das Soziale, das Sinnstiftende, die Gleichberechtigung finden nicht statt.
Susanne Bergius vom Tagesspiegel definiert Nachhaltigkeit als „enkeltauglich in den planetarischen Grenzen zu wirtschaften“. Und sie weist darauf hin, dass zu wenig über die Biodiversitätskrise berichtet wird:“Rasanter als die Klimakrise bedroht sie menschliches Dasein.“
Christoph Herzog vom Fachportal Haufe Sustainability sieht in der öffentlichen Meinung, dass Nachhaltigkeit vor allem teuer sei, bürokratische Gängelei und Greenwashing:“Lasst uns daher mehr über Zukunftsfähigkeit, Resilienz und Chancen berichten.“
Sarah Neu und Mia Pankoke von der Wirtschaftsredaktion Wortwert in Köln stellen fest: „Vor lauter Moralkeulen und düsteren Zukunftsperspektiven ging der Debatte um Nachhaltigkeit etwas Essentielles verloren: Aufbruchsstimmung.“
Dafür hat Thomas Heilmann, ehemaliger CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender der Klimaunion, ein aktuelles Beispiel: die Verteidigungspolitik.
Wer hätte vor wenigen Jahren gedacht, dass die Mehrheit der Bürger der Erhöhung der Rüstungsausgaben zustimmen würden. Dass in den Nachrichtensendungen positiv über die Eröffnung eines neuen Rüstungswerkes berichtet wird. Dass Verteidigungsminister Boris Pistorius zum beliebtesten Politiker werden würde?
„Die Zeitenwende wurde möglich, weil durch den russischen Angriffskrieg die Bedrohung konkret und emotional greifbar ist“, sagt Heilmann. Das könne auch bei der Nachhaltigkeit funktionieren , dass Menschen den Begriff nicht als Moralkeule sondern als Schutzmaßnahme für ein gutes Leben sehen. Und statt von „Klimaschutz“ sollten wir vom Schutz der Bewohnbarkeit unseres Planeten reden, denn wir schützen nicht das Klima, sondern uns.
Heilmann schlägt daher vor, öfter zu erzählen, wie eine zukünftige Welt aussehen könne: „Jeder Tag mit über 35 Grad senkt die Produktivität in der Landwirtschaft um rund fünf Prozent. Das sind wirtschaftliche Fakten, die wir vermitteln müssen.“
Das unterstützt der Wissenschaftler Michael Brüggemann:“Journalisten sind keine Politiker, die um Wiederwahl werben, sondern Berichterstatter, deren Aufgabe nicht darin besteht, ihr Publikum zu schonen.“
Und wie steht es um den Klimajournalismus?
Schlecht.
Die Süddeutsche startete 2019 den Newsletter Klimafreitag, seit 2024 erscheint er nicht mehr. Und das 2021 gegründete Ressort „Green“ der Zeit wurde kürzlich aufgelöst. Und gefühlt findet das Klima vor lauter Gaza, Ukraine und Trump kaum noch statt. Die Stimmung der Bevölkerung zum Thema Klimakrise ist eher „Kopf-in-den-Sand-stecken“. Aber muss der Journalismus der Stimmung in der Bevölkerung folgen?
Nein, Rudolf Augstein sagte immer:“Sagen, was ist“. Jürgen Döschner vom Netzwerk Klimajournalismus ergänzt dies durch:“Sagen, was ist, auch, wenn es weh tut.“
Die ausführlichen Artikel zum Thema finden sich auf www.journalist.de
Kuratiert von Thorsten Windus-Dörr