
Jedes Jahr am Samstag vor dem ersten Advent, dieses Jahr am 30. November, hole ich einen Weihnachtsbaum, zum ersten Adventssonntag steht er dann geschmückt im Wohnzimmer. Das hat schon viele Leute irritiert. Ich habe das im Oldenburger Land kennen und lieben gelernt, wo es viele Leute gibt, die so handeln. In unserer Agentur hat das unsere ehemalige Mitarbeiterin Anna Spielvogel motiviert, sich mal Gedanken über Advent zu machen.
Thorsten Windus-Dörr
Die Adventszeit als Vorbereitung auf Weihnachten
In meinen Universitäts-Seminaren machte es meinen Dozenten immer viel Freude, uns mit den lateinischen Ursprungswörtern komplizierter Fachbegriffe zu ärgern. Normalerweise führte das bei mir immer zu Augenrollen. In diesem Fall bedeutet die lateinische Urpsprungsform adventus domini übersetzt „Die Ankunft des Herrn“ und ist damit ausnahmsweise einmal sehr aufschlussreich. Die Adventszeit, die dieses Jahr am 30. November beginnt, bezeichnet den Zeitraum im Jahr, in der sich die Christen (evangelisch wie katholisch) auf die Geburt Jesu Christi vorbereiten. Der Vorabend des ersten Adventssonntages läutet gleichzeitig auch das neue Kirchenjahr ein. Die Adventszeit endet mit dem Gottesdienst zu Heiligabend. Der weihnachtliche Festkreis reicht noch bis zum Soontag nach den Heiligen Drei Königen am 6. Januar. Der Osterfestkreis startet mit dem Aschermittwoch. Palmsonntag, die Karwoche, der Ostersonntag, der weiße Sonntag und Christi Himmelfahrt liegen ebenfalls in dieser Zeit des Kirchenjahres. Der Osterfestkreis dauert 13,5 Wochen und endet mit dem Pfingstsonntag, dem Fest des Heiligen Geistes.
Aber zurück zum Advent: Nachweisbar ist die Adventszeit schon seit mehr als 1500 Jahren, das erste Mal findet sie Ende des 4. Jahrhunderts in Gallien und Spanien Erwähnung. Papst Gregor der Große (540 bis 604) legte in dieser Zeit die Zahl der Adventssonntage von sechs auf vier fest, eine Zahl, die wir auch heute noch so kennen. Entgegen dem heutigen Überfluss wurde im Mittelalter die geistliche Vorbereitung auf Weihnachten hauptsächlich mit Fasten und Gebet durchgeführt. Der Brauch des Fastens verschwand dabei übrigens erst vor ca. 100 Jahren.
Die Bedeutung der vier Adventssonntage
An jedem der vier Adventssonntag steht ein anderer christliches Thema im Vordergrund: Der 1. Advent steht bei den Katholiken im Zeichen der Wiederkunft Christi, während die Protestanten den Einzug Christus nach Jerusalem feiern. Am zweiten Advent gedenken die Katholiken Johannes dem Täufer, die Protestanten begehen die Wiederkunft des Herrn. Beide Konfessionen gedenken am 3. Advent erneut Johannes dem Täufer, am 4. Advent schließlich der Gottesmutter Maria.
Welche verschiedenen Bräuche gibt es eigentlich?
Ob man es nun liebt oder hasst: Die gesamte Adventszeit ist übersät mit unterschiedlichen Traditionen und Bräuchen. Sei es nun der Besuch von Weihnachtsmärkten, das Öffnen eines Türchens im Adventskalender oder das Feiern der Wintersonnenwende mit nachfolgender Weihnachtsbäckerei.
Der Adventskranz
Ein Brauch, der ganz ohne christlichen Hintergrund auskommt, ist der der Adventskranz. Dieser ist während der Adventszeit in fast jedem Haushalt zu finden und geht auf vorchristliche Bauern des Nordens zurück, die den grünen Kranz zur Sonnenwende flochten. Geschmückt wurde er mit den Farben des Lichtes und des Lebens: Gold und Rot. Das Anzünden von Kerzen auf dem Adventskranz nahm wahrscheinlich erst 1838 ihren Anfang. Johann Heinrich Wichern, Leiter des evangelischen Knabenrettungshauses „Rauhes Haus“ bei Hamburg, hatte genug von der Frage, wann denn endlich Weihnachten sei. Deswegen nahm er sich ein altes Wagenrad und einen Holzkranz auf den er 20 kleine rote und vier große weiße Kerzen aufsteckte. Diese wurden nach und nach angezündet und zeigten die verbleibende Zeit bis Weihnachten an. Später wurden schließlich nur noch vier Kerzen entzündet.
Nikolaustag
Ein weiterer Brauch brachte mich etwas zu schmunzeln: der 6. Dezember, der Tag des Nikolaus. Denn eigentlich war es der heilige Nikolaus (vor seiner Heiligsprechung der Bischof von Myra), der früher einmal die Geschenke brachte. Dieser wurde jedoch von Martin Luther um seinen Job gebracht. Der lehnte die Heiligenverehrung nämlich partout ab. So kam im 16. Jahrhundert die „Ersatzidee“ mit dem Christkind anstelle von Sankt Martin auf. Da sich das Christkind allerdings medial nicht so gut vermarkten ließ, wurde es im 20. Jahrhundert von dem säkularisierten Weihnachtsmann abgelöst. Aber das hier nur am Rande. Was blieb, ist der Brauch, am Abend vor dem 6. Dezember die Stiefel zu putzen, vor dem Kamin zu stellen und vielleicht auf das ein oder andere Stück Schokolade am nächsten Morgen zu hoffen.
Der Adventskalender
Eine weitere Tradition und gleichzeitig lukratives Geschäft ist nach wie vor der Adventskalender: Den ersten Ansatz gab es im protestantischem Umfeld. So hängten Familien nach und nach 24 Bilder an die Wand, manchmal wurden auch einfach 24 Kreidestriche an die Wand oder Tür gemalt, bei der die Kinder täglich einen Strich wegischen durften. In katholischen Haushalten dagegen wurde Stroh in eine Krippe gelegt, für jeden Tag einen Halm. Die Idee dieser Form von Kalender kam vor allem gut bei den Kindern an und wurde weiterentwickelt bis 1958 der erste Schokoladenadventskalender auf den Markt kam, der bis heute zu der am häufigsten verkauften Kalendervariante gehört. Heute beliebt ist vor allem das Selbergestalten von Adventskalendern, die in aufwendigen Bastelaktionen liebevoll selbst zusammen gestellt werden (ein Vergehens, dem sich die Blogschreiberin auch immer wieder schuldig macht – einfach weil es so viel Spaß macht!).
Küssen unter dem Mistelzweig
Dies ist vielleicht einer der romantischsten Bräuche in der Adventszeit überhaupt: der Kuss unter dem Mistelzweig. Schon seit der Antike gilt die Mistelpflanze als Symbol von Gesundheit, Mut und Glück, in Skandinavien wurde ein beschlossener Waffenstillstand mit einem Friedenskuss unter dem Mistelzweig beschlossen. Zurückführen könnte man den Ursprung dieses Brauches möglicherweise auf das griechische Fest der Saturnalien, bei dem die Menschen zu Ehren des Gottes Saturn wild gefeiert haben. Heute gilt aber in jedem Fall: nicht einfach wild drauflos küssen, sondern besser vorher um Erlaubnis fragen. Sonst ist es ziemlich schnell vorbei mit der beschaulichen Weihnachtsstimmung.
An dieser Stelle jeden einzelnen Brauch aus der Vorweihnachtszeit zu nennen und zu erklären, würde wohl den Rahmen sprengen. Fest steht, dass jeder Einzelne diese ganz besondere Zeit im Jahr individuell begeht: ob mit Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, beim Adventssingen oder -backen, bei der Vorbereitung auf ein Krippenspiel oder eben ganz besinnlich zu Hause mit der Familie.
Eine frohe Vorweihnachtszeit wünsche ich!
Anna Spielvogel